Der innere Blick

Manchmal müssen wir den Blick nach hinten richten, um zu verstehen, was uns zu dem Menschen gemacht hat, der wir heute sind: Welche Erfahrungen und Prägungen haben uns geformt? Manchmal zieht es uns nach vorn, hin zu unseren Träumen, Visionen und den Fragen danach, wohin wir uns entwickeln möchten.

Doch das Schwierigste und zugleich Wichtigste von allem ist es, sich in der Präsenz zu üben – im Hier und Jetzt anzukommen. Keine leichte Sache in einer Welt, die uns ständig ablenkt.

Die Kunst des Ankommens

Im Alltag ertappen wir uns nur zu oft dabei, wie wir mit den Gedanken schon beim nächsten Termin sind oder noch einmal im Kopf wälzen, was gestern schiefgelaufen ist. Präsent zu sein bedeutet jedoch, all das für einen Moment loszulassen. Es bedeutet den Körper wahrzunehmen und genau da zu sein, wo das Leben stattfindet: in der Gegenwart.

Genau darin liegt der wahre Schlüssel zur Veränderung. Denn weder die Vergangenheit noch die Zukunft verlangen nach unserer Aufmerksamkeit – es ist dieser eine, gegenwärtige Augenblick.

Was spüre ich, wenn ich ganz im jetzt bin?

Wenn wir uns in der Präsenz üben und im Hier und Jetzt ankommen, schalten wir für einen Moment die unbewussten automatischen Mechanismen ab. Doch was bedeutet das konkret für unseren Körper und unsere Wahrnehmung? Ohne zu werten oder zu bewerten, lässt sich das, was in der Gegenwart spürbar wird, beschreiben:

In der Gegenwart nehmen wir unseren Körper oft ganz neu wahr: Den Atem, die Art useres Ein- und Ausatmens zeigt. Wir spüren Kontaktpunkte wie das Gewicht des Körpers auf dem Stuhl oder die Füße, die fest den Boden berühren. Auch Temperatur und Energie werden spürbar – ein Gefühl von Wärme oder Kühle, ein leichtes Kribbeln in den Händen oder Füßen oder auch die Anspannung, die im Körper sitzt, sowie möglicherweise ein bewusstes Spüren des eigenen Herzschlags.

Gefühle kommen und gehen, wenn wir ihnen Raum geben, ohne sie festzuhalten. Manchmal fühlt sich die Brust weit und offen an; in anderen Momenten spürt man vielleicht auch direkt eine körperliche Enge oder einen Schmerz, der vorher überhört wurde. Oft ist da aber auch einfach nur ein neutraler Zustand des „Seins“ – weder gut noch schlecht, sondern einfach da.

Zusätzlich holt uns die Gegenwart über unsere Sinneswahrnehmungen direkt zurück in die Realität: Geräusche wie das Summen eines Geräts, das Rauschen des Windes oder die Stille um uns herum werden deutlicher wahrgenommen. Farben erscheinen klarer und Konturen schärfer, weil der Blick nicht mehr gedanklich in die Zukunft schweift.

In der Gegenwart zu sein bedeutet nicht, dass immer alles harmonisch oder leicht ist. Es bedeutet schlicht und einfach, das wahrzunehmen, was jetzt gerade ist – ganz unvoreingenommen und ohne es sofort verändern zu müssen.

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Immer mehr ich